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Damen: "Wir haben noch Luft nach oben“

Markus Depolt verfällt auch nach fünf Siegen aus sechs Spielen in der Handball-Bayernliga nicht in Euphorie. Er spricht über seine Zukunft als Damentrainer der HSG.

Markus DepoltMit Fug und Recht darf man behaupten, dass sie inzwischen zu den Urgesteine der Bayernliga zählen, die Frauen der HSG Fichtelgebirge. Seit neun Jahren gehört die Truppe  bereits  ununterbrochen Bayerns höchster Handball-Spielklasse an – und ein zehntes wird immer wahrscheinlicher. Nach einem desaströsen Beginn, der den vorletzten Rang zur Folge hatte, scheint inzwischen der Knoten geplatzt: Fünf ihrer sechs letzten Saisonpartien beendete die Mannschaft siegreich. Das katapultierte sie – aktuell ist Saison-Halbzeit – bei nunmehr sogar ausgeglichenem Punktverhältnis (12:12) in der Tabelle auf die sechste Position nach oben. "Es scheint, jetzt wächst etwas zusammen“, spürt Trainer Markus Depolt wachsende Motivation und Begeisterung. "Alle haben Bock, das gefällt mir.“ Der so wichtige und den Trend bestätigende 22:20-Erfolg am Wochenende über Vorjahres-Vizemeister HSV Bergtheim tut natürlich dazu sein Übriges. Trotzdem verfällt er nicht in Euphorie, sieht "noch genügend Luft nach oben“. Und meint damit die doch noch hohe Anfälligkeit in der Fremde. Die jüngsten Ergebnisse freilich machen Mut. "Wir konnten einfach keine gescheite Vorbereitung spielen“, begründet der 47-Jährige Coach den schleppenden Start mit extrem kleinem Kader. Inzwischen aber sei man wesentlich breiter aufgestellt.

Möglich machen es vier Spielerinnen, die erst kurz vor und im Laufe der Saison zum Kader stießen: Kathrin Reif, Katharina Schlegel, Nina Jadlovska und Torhüterin Eva Mancellari. "Freilich haben wir mit allen schon Vorgespräche geführt, aber entschieden haben sie sich erst sehr spät“, erklärt der Trainer, dessen Halbzeit-Resümee mit "super zufrieden“ ausfällt. Von Anfang sei ihm bewusst gewesen, dass es eng werden könnte, zumal mit Anna Wölfel (Knie-OP) und seit der Vorwoche Jessica Spannig (private Gründe), die mit 51 Toren beste Torschützin und viel Erfahrung, bis zum Saisonende definitiv ausfällt. Da komme es Mannschaft und Trainer gerade recht, dass eine Kathrin Reif geradezu aufblüht. "Sie ist mutig, geht auch dahin, wo es weh tut und fordert geradezu eine Führungsrolle ein“, beschreibt der Trainer die ehemalige Helmbrechtserin. Obwohl er ungern ihren Ehrgeiz bremsen will, möchte er die gerade 20-Jährige nicht verheizen. Depolt: "Sie braucht jetzt den Feinschliff, dann werden wir noch viel Freude an ihr haben.“ 

Besonders viel von dieser Freude bereitet ihm auch die aus Weiden stammende und zuvor für den TV Nabburg spielende Kinderpflegerin Julia Fischer, die im Rückraum ihre dritte Saison für die HSG spielt. "Julia hat eine tolle Entwicklung genommen und traut sich jetzt viel mehr zu.“ Das bestätigt auch Sabrina Kraus, die Beständigkeit in Person auf der linken Außenposition und
nach Franziska Scheidler (43 Tore) mit 41 Saisontreffern drittbeste Schützin. "Julia Fischer hat in diesem Jahr einen Riesensatz nach vorn gemacht“, sagt sie. Der Trainer habe damit viel mehr Möglichkeiten, ohne Leistungsknick zu wechseln. Und noch einer stellt die 28-Jährige, die seit 17 Jahren für die HSG aufläuft und als eine der wenigen im Team noch den Aufstieg ins  bayerische Oberhaus unter Dieter Schmidt mitgemacht hat, ein erstklassiges Zeugnis aus: Janina Gruber, der erst 21-jährigen Torhüterin. Die habe sich nach dem berufsbedingten
Rückzug von Heike Faltenbacher zur unumstrittenen Nummer Eins gemausert hat. "Janina hält überragend“, schwärmt Sabrina Kraus. "Wir haben auch immer öfter erschiedene Torschützen“, sieht sie als weiteren Grund für den pfeilgeraden Weg aus dem Tal der Tränen.

Einen großen Teil dazu bei trägt allerdings auch die Mathe und Chemie lehrende Realschul-Pädagogin selbst, die es im Schnitt auf vier Treffer pro Partie bringt und deren Kontuinität der Trainer so sehr schätzt. Sabrina Kraus beurteilt ihre Leistung allerdings selbstkritisch als "noch etwas schwankend“, was Depolt nicht unbedingt bestätigen will. Sie sei sehr heimatverbunden,
sagt Kraus, wolle "nirgendwo anders als bei der HSG“ Handball spielen. Stets habe sie deshalb versucht, Studium und Beruf noch gut erreichbar hinzubekommen. Was bislang gut gelungen ist.

Sabrina Kraus übt sich hinsichtlich der Saison-Prognosen in Zurückhaltung: "Wir sind keine Überflieger und müssen uns immer jeden Punkt hart erkämpfen.“ Darum will auch Markus Depolt keine Luftschlösser bauen. "Wenn wir Platz acht bestätigen könnten, wäre ich heilfroh“, meint er, "der Klassenerhalt hat für uns absolute Priorität.“ Für erhebliche Beruhigung sorgt gerade rechtzeitig vor Weihnachten die Tatsache, dass die HSG punktemäßig bereits "leicht über dem Soll“ liege.

Depolt kann sich in seinem fünften Jahr als Damentrainer, nach zuvor vier Jahren bei den Herren, auf die Fahnen heften, aus einem "zusammengewürfelten Haufen“ (Depolt) eine funktionierende Truppe geformt zu haben. Immerhin kämen die Spielerinnen aus unterschiedlichen Vereinen der Region: Weiden, Münchberg, Helmbrechts, Eger, Pilsen, Kemnath, sowie Marktredwitz und Wunsiedel. An seinen Mädels schätzt er besonders ihre "hohe Sozialkompetenz“ und begründet das so: "Sie hören zu und gehen unheimlich gut miteinander um.“

Und wie geht es mit dem Trainer selbst weiter? Zwischenzeitlich waren Gerüchte zu hören, wonach Markus Depolt nach diesem Spieljahr mit seinem Abschied liebäugelt. "Das stand im Raum, aber ich möchte weitermachen und kann mir durchaus noch eine Saison vorstellen“, gibt der Damen-Coach erst mal Entwarnung. Allerdings mit der Einschränkung, dass es weiter im Umfeld
passt und "neues Spielermaterial“ zur Truppe stößt. Denn ein zehntes und damit Jubiläumsjahr in der Bayernliga hätte auch für ihn einen ganz besonderen Reiz.

Quelle: Marktredwitzer Tagblat vom 21.12.18, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

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