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Herren I: "Wir können jeden schlagen"

Die HSG Fichtelgebirge erwartet im Topspiel der Handball-Landesliga den Spitzenreiter. Markus Tröger ist rechtzeitig wieder fit und spricht über seine lange Leidenszeit.

Markus TrögerEs ist sind gerade zweieinhalb Monate her, da sah die Welt von Markus Tröger – sportlich gesehen – eher düster aus. Mittelhandbruch lautete die Diagnose. Pause? Ungewiss. Im schlimmsten Fall bis zum Saisonende. Doch der 28-jährige Rückraumwerfer vom Handball-Landesligisten HSG Fichtelgebirge – punktgleich mit dem Tabellenzweiten Cham und dem Dritten Lauf/Heroldsberg auf Rang vier – ist zurück, muss allerdings mit einer stabilisierenden Platte im Gelenk leben. Trotz Sportpause hat er keine ruhige Kugel geschoben und viel für seine Fitness getan, wenngleich Kraftübungen strikt untersagt waren. Tröger gilt als Beißer, jammert nicht. "Nur wenn es in den Fingern juckt
und du musst zuschauen, kannst nicht helfen, das ist das Allerschlimmste", beschreibt er die Gefühle in einer für ihn extrem schwierigen Zeit. "Ich habe den Tag herbeigesehnt, an dem ich wieder spielen durfte."

Am vergangenen Wochenende bestritt Tröger bereits die zweite Partie nach einem vorsichtigen Comeback gegen Roßtal. Und was für ein Spiel: Beim 30:25-Auswärtssieg in Ingolstadt gelangen dem angehenden Lehrer für Chemie und Geographie sage und schreibe elf Treffer. So viele wie noch nie in seiner Karriere in einem Handballspiel. "Es waren aber fünf Siebenmeter dabei", schränkt er bescheiden ein. Doch auch die wollen erst einmal allesamt verwandelt sein. 

Markus Tröger muss lange zurückdenken, um sich an eine ähnliche Quote zu erinnern: "Ich glaube, zehn waren es einmal in meinem ersten Jahr bei den Herren damals noch unter Trainer Ulli Weber." Das liegt aber schon über ein Jahrzehnt zurück. Letzterer freilich kann sich noch ganz genau erinnern, denn Tröger debütierte damals unter dem heutigen sportlichen Leiter. "In Münchberg war es. Da haben wir zwar verloren, aber der Markus war an diesem Tag unser mit Abstand stärkster Spieler", sagt Weber.

Längst ist Markus Tröger aus der Landesliga-Mannschaft der HSG nicht mehr wegzudenken. Extrem spürbar war das, als er so lange fehlte und die HSG Mühe hatte, ihren glänzenden Saisonstart zu bestätigen und versuchte, den Ausfall irgendwie zu kompensieren. Tröger ist auf seiner linken Rückraumseite Eckpfeiler eines Teams, das inzwischen drauf und dran ist, in Richtung Bayernliga zu schielen. Und da wartet am morgigen Samstag um 16.30 Uhr in Wunsiedel die Nagelprobe schlechthin: Tabellenführer TG Heidingsfeld. 14 Siege, eine Niederlage, die mit Abstand stärkste Abwehr und der beste Angriff – eine Bilanz, die Bände spricht.

Markus Tröger aber ist heiß, womit er auch für seine Mitspieler spricht. Ein bisschen bange davor, was auf seine Truppe zukommen könnte? "Warum sollen wir Angst haben", sagt er, "bei uns darf kein Harz verwendet werden, und da liegt der Vorteil schon mal auf unserer Seite." Möglich sei alles. Es komme allein darauf an, wie motiviert die HSG die Partie angehen wird und ob sie die Konstanz über 60 Minuten halten kann. Und nicht schon, wie bei der völlig überflüssigen 21:22-Niederlage gegen Roßtal bereits nach 50 Minuten abschalte. Außerdem habe man in den vergangenen Jahren den favorisierten Gegner stets geschlagen. "Die sind schon immer mit großen Ambitionen angereist", weiß Tröger, "und tragen die Nase oft sehr hoch."

Was der demnächst von einer Neutraublinger an eine Nürnberger Schule wechselnde Referendar eher als Motivationsfaktor sieht. "Unser Trainer hat einen Plan, und den müssen wir einfach nur strikt befolgen." So wurde bereits intensiv darauf hingearbeitet, das bekannt gefährliche Kreisanspiel der Unterfranken zu unterbinden. "Hinten kompakt stehen", lautet das Motto. Denn aufgrund des Harzverbots rechnet Tröger damit, dass doch einige Gäste-Würfe über dem Tor enden, weil der Ball nicht so lange in Händen klebt. Allein aus diesen Worten ist zu entnehmen, dass die HSG Großes vorhat
in ihrer ersten Saison-Partie in der schmucken Wunsiedler Sporthalle. 

Dass der Gegner mit Spielern aus Frankreich und Ungarn viel Zweit und Drittliga-Erfahrung in seinen Reihen weiß, stört Markus Tröger ganz und gar nicht. Das sporne eher an. "Wir sind in der Lage, jeden zu schlagen", erklärt er voller Selbstbewusstsein. Die HSG werde zudem weitgehend komplett auflaufen. Mit einer Ausnahme: Johannes Wippenbeck. Er fällt mit einer angerissenen Sehne im Ellenbogen nun definitiv bis zum Saisonende aus, kann aber dadurch eine Operation umgehen. 

Richtungsweisend sei die Partie gegen Heidingsfeld in jedem Fall. Denn mit ein, zwei Niederlagen könnte es bei der Enge in der Tabelle auch ganz schnell einige Plätze nach hinten gehen. 'Wenn wir die schlagen, ist das wie ein 'Big Point’ “, meint Markus Tröger. Respekt habe man sich ohnehin schon erarbeitet bei der Konkurrenz. Aber ein "gewisses Gewicht" hätte so ein Sieg über so ein Überteam, das quasi als fast unschlagbar gilt und so gut wie als Meister feststeht, schon. Gut fürs Ego täte er allemal. Und was ein ASV Cham geschafft hat, warum soll das nicht auch einer HSG Fichtelgebirge gelingen.

Quelle: Marktredwitzer Tagblatt vom 08.02.19, Sport aus der Region, Bericht und Foto: Peter Perzl

 

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